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        Buchprojekt Sumatra

        Mitte Februar ging es für mich wieder auf Reisen, für ein Buchprojekt zusammen mit Bianca Tschaikner. Diesmal ging es nicht ins kalte, schneereiche Japan, wie im Jahr zuvor, sondern auf eine warme Insel Richtung Äquator. Und zwar nach West Sumatra, eine indonesische Insel. Es ist die sechstgrößte Insel der Welt, mit 50 Millionen Einwohnern. Unser Plan war es, uns mit der matrilinearen Kultur der Minangkabau auseinanderzusetzen. Ziel war es ein Kunstbuch zu machen, eine Art Reisebuch, das Geschichten und Begegnungen über die Minangkabau und deren Kultur erzählt, und den Alltag einer matrilinearen Kultur thematisiert. Das war für uns ein hochinteressantes Thema, das nicht mit wissenschaftlichen Methoden untersucht werden sollte, sondern durch Gespräche mit den einheimischen Menschen und deren Erzählungen, die von uns mit Hilfe von Texten, Zeichnungen, Fotos und Film dokumentiert werden sollten. Dies ergab am Ende eine Fülle von Materialien. Die Fotografie und der Film waren dabei mein Part, wobei der Film noch fertigzustellen ist. Im Vordergrund lag für mich jedenfalls die Fotografie. Eine Entscheidung zu treffen, ob man in einer bestimmten Situation nun lieber fotografiert oder filmt, ist dabei nicht immer leicht. Manche Momente, wie Tanzen, Gesten, Trommeln oder andere Situationen in Bewegung kommen als Film angreifbarer rüber. Außerdem kann ich auf Reisen auch nicht immer zwei Kameras dabei haben, denn zum Filmen und Fotografieren verwende ich unterschiedliche Kameras – und in der brütenden Hitze hab ich mit zwei Kameras und dazugehörigen Objektiven dann noch schwerer zu tragen. 

        Im Gegensatz zu Japan, wo mir beim Fotografieren manchmal fast die Finger abgefroren sind, war Sumatra heiß und schwül, da die Insel am Äquator und in den Tropen liegt. Es ist ein wahres Regenwaldparadies. Allerdings stellen Massenabholzung, Verschmutzung und Regenwaldzerstörung riesige Probleme dar. Nur war das diesmal nicht unser Thema, wie bei meiner Dokumentation im Jahr 2017 in Kolumbien. In erster Linie ging es uns diesmal um das Thema des Matriarchats und die Rolle der Frau in der dortigen Gesellschaft. 

        Nach einem kurzen zweitägigen Aufenthalt in Singapur, flogen wir nach Padang, die größte Stadt West Sumatras. Unser Aufenthalt in Padang begann mit einem Besuch im örtlichen Minangkabau Museum, das Adityawarman. Dort lernten wir eine sehr hilfsbereite Historikerin kennen, mit der wir gleich einen Gesprächstermin ausmachten. Aufgrund der Sprachbarriere zogen wir Englischstudentinnen bei, die uns die Gespräche übersetzten. Wir verbrachten fast zwei Tage in dem Museum. 

        Nach Padang ging es für uns weiter nach Bukittinggi, ins Hochland. Dort lernten wir die Menschen hauptsächlich direkt auf der Straße kennen. Am ersten Tag, während eines Erkundungsgangs durch das kleine Dorf Koto Gadang sprach uns zum Beispiel eine ältere Dame an, die uns zu sich her winkte. Es stellte sich heraus, dass sie eine „Bundo Kanduang“, eine Art Anführerin unter den Minangkabau, war. Am nächsten Tag kamen wir wieder und führten ein Interview mit ihr über die lokale Kultur. Nach Koto Gadang zog es uns dann noch öfters. In kleineren Dörfern ist es einfach viel leichter Leute kennenzulernen. Wie es in Koto Gadang so war, findest du hier in dieser Fotoserie. 

        Nach einigen weiteren Interviews, mit ganz unterschiedlichen Leuten, besuchten wir einen meiner Bekannten, den ich in Bali kennengelernt hatte. Er selbst ist Indonesier und lebte in Pariaman, eine Stunde von Bukittinggi entfernt. Er teilte uns mit, dass er mittlerweile eine deutsche Frau habe und wieder in seiner Heimatstadt sei. Wir besuchten ihn und seine Frau für einen Tag. Pariaman liegt an der Küste und sein Dorf gleich daneben, ein wahres Dschungeldorf aus bunten Häusern. Seine Familie lud uns zum Essen ein und er zeigte uns sein Dorf. Hier gibt es einige fotografische Eindrücke davon. Wir erfuhren, dass in ein paar Tagen eine Hochzeit in seinem Dorf stattfinden würde, auf die wir eingeladen wurden. So kamen wir dann nach einem kurzen Aufenthalt in Bukittingi wieder zurück nach Pariaman, um auf diese Hochzeit zu gehen. Am Vortag der Hochzeit kam man zusammen um traditionelle Bräuche zu feiern, zu essen und zu tanzen. Es spielte ein Lifeband. Die war so laut, dass man fast einen Hörsturz erlitt. Als Hochzeitsfotografin , war es für mich schön zu sehen, wie anders Hochzeiten dort abliefen. Das Paar hatte auch einen Hochzeitsfotografen engagiert. Somit gab es nun zwei Fotografen, die die Hochzeit dokumentierten. Was bei dieser Hochzeit so geschah, findest du hier. Ich habe auch ein wenig gefilmt, das werde ich noch zu einem kleinen Film zusammenschneiden. Aber wie gesagt, fotografieren und Filmen gleichzeitig ist leider schwierig. 

        Nach der Hochzeit ging es wieder zurück nach Bukittinggi. Dort führten wir unsere Interviews weiter, und machten auch viele Wanderungen durch die Stadt. Neben den unglaublich warmen, offenen Menschen, war ich besonders fasziniert von den bunten Häusern und liebevoll plazierten exotischen Pflanzen, die man bei uns nur als Zimmerpflanzen kennt. Auch auf Märkte gehe ich gerne um zu fotografieren. Da mache ich gerne Portraits von Menschen und ihren Ständen. Es gab so tolle Farben.

        Nach drei Wochen Reisen und etlichen Interviews und Ausflügen, zog es uns an den Strand. Wir wollten es nicht ganz dabei belassen, bei der Hitze nur zu arbeiten. Wieder ein Bekannter aus Indonesien erzählte mir schon einige Monate davor, dass ich unbedingt Rickys Beach House besuchen sollte, was wir dann auch taten, denn es lag nur eine Stunde südlich von Padang. Das Beach House lag direkt am Meer. Auch dort war ich wieder überwältigt von der Wärme und Gastfreundschaft der Locals. Das Beach house ist ein ökologisch und sozial motiviertes Projekt. Ökologisch, weil sie sich für Schildkröten einsetzen und Müll in der Natur den Kampf ansagen. Und sozial, weil es Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten für die Burschen aus dem Dort bietet (wobei mir da ein wenig die Mädchen zu kurz kommen). Auch Ricky und seine Kollegen konnten uns einiges über die Minangkabau Kultur erzählen. Neben zwei Interviews, war unser Aufenthalt dort dann aber Entspannung. 

        Alles in Allem war es eine echt tolle Reise und Erfahrung, auf der wir viele interessante, nette, hilfsbereite Menschen kennenlernen durften. Ich bin ich echter Indonesien Fan. Und hoffe, dass ich nach Corona wieder dort hinreisen kann.